Autonomes und vernetztes Fahren wirft ethische Frage auf – jetzt handeln!

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Autonomes und vernetztes Fahren, also Fahrzeuge, die sich (fast) ohne unser Zutun durch die Straßen bewegen, sind sicherlich keine Zukunftsmusik mehr. Allerdings kommen Fragen über die Ethik der Technologie auf.

Ist autonomes und vernetztes Fahren wirklich sicher?

Beispielsweise steht die Frage im Raum, ob autonomes und vernetztes Fahren ein Muss ist, um den Faktor Mensch im Straßenverkehr herauszunehmen und weniger Unfälle zu verursachen? Werfen wir einen Blick auf die gegenwärtigen ethischen Regeln.

Im Mittelpunkt steht die Frage, in welchem Umfang sich der Mensch von technischen Systemen abhängig machen lässt, damit im Straßenverkehr mehr Sicherheit, Mobilität oder auch Komfort gewährleistet sind? Zunächst gilt es in diesem Zusammenhang thematische Begrifflichkeiten zu klären und ihre Unterschiede zu verdeutlichen.

Oftmals finden ‘autonom’ und automatisiert eine synonyme Verwendung, doch unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Aufgabe des Menschen während des Fahrens.

Zum besseren Verständnis unterscheiden Experten in der Automobilbranche folgende Modi für den Fahrzeugbetrieb:

  1. Unterstütztes Fahren – Wie der Name schon sagt, erhält der Fahrer Unterstützung von einem Fahrassistenten während der Fahrt.
  2. Automatisiertes Fahren – Dem Fahrer ist es gestattet, sich vom Verkehrsgeschehen abzuwenden, muss allerdings nach Aufforderung unverzüglich in das Fahrgeschehen eingreifen können.
  3. Autonomes und vernetztes Fahren – Der Fahrer wechselt in die Position des Passagiers und das Fahrzeug übernimmt das Fahren komplett.

Die Entwicklung der Steuersysteme für selbstfahrende Fahrzeuge sieht außerdem den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, kurz KI, vor. Sie soll die Regelbasen für die Steuerung aufstellen, welche später im Fahrzeug fest integriert ist.

Szenarien, wie sie aus Science Fiction Filmen bekannt sind, dass KI-gesteuerte Autos plötzlich eigene “Persönlichkeiten” entwickeln und eine Kontrolle durch den Menschen nicht mehr gegeben ist, ist allerdings nicht möglich.

Der momentane Stand der Dinge

Ungeachtet dessen, dass die Entwicklung von Fahrzeugen für autonomes und vernetztes Fahren in vollem Gange sind, dauert es wohl noch mehrere Jahrzehnte, bis selbstfahrende Autos das Straßenbild prägen. Eine vom ADAC im Jahre 2018 in Auftrag gegebene Studie ergab, dass voraussichtlich 2050 das bundesdeutsche Straßennetz mit einer größeren Anzahl automatisiert fahrender Fahrzeuge bevölkert ist.

Auch wenn noch einige Jahre und Jahrzehnte bis zur selbstfahrenden Serienreife vergehen werden, gilt es, die bisher gewonnenen Erkenntnisse aus dem unterstützten, automatisierten und autonomen Fahren mit den ethischen Fragen in Kontext zu bringen.

Allen voran steht das Thema Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und Fahrzeuginsassen, nicht erst seit den fatalen Unfällen mit Testfahrzeugen des Elektro-Automobilbauers Tesla. Dem schließt sich außerdem die Frage der Haftung an.

Autonomes und vernetztes Fahren
Quelle: www.handelsblatt.com

Darüber gilt es bei der Formulierung und Beantwortung der Ethik-Fragen zu beachten, dass nicht von heute auf morgen alle Fahrzeuge autonom fahren werden. Unterstützte, automatisierte und selbstfahrende Autos werden für längere Zeit Seite an Seite auf unseren Straßen fahren. Der Zuwachs an Sicherheit im Straßenverkehr ist somit nur schrittweise realisierbar.

Die Bildung einer Ethik-Kommission

Bereits im Jahr 2016 wurde zum Thema „Autonomes und vernetztes Fahren“ eine Ethik-Kommission gegründet. Ziel ihrer Arbeit war es, auf der einen Seite Antworten auf die wichtigen und notwendigen ethischen Fragen zu finden.

Auf der anderen Seite sollten Leit- und Richtlinien für die Hersteller und Entwickler der automatisierten und autonomen Systeme geschaffen werden. Bereits ein Jahr später konnte das Gremium der Öffentlichkeit ihre 20 ethischen Regeln präsentieren.

Auch die Bundesregierung beschäftigt sich mit dem Thema.

Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, dass Deutschland eines der führenden Länder ist, in denen automatisierte und vernetzte Mobilität entwickelt, erprobt und als Teil eines nachhaltigen, sicheren und multimodalen Mobilitätsystems zügig auf die Straße gebracht wird. Quelle

Autonomes und vernetztes Fahren – Chance oder Risiko?

Die Vorteile für automatisiertes beziehungsweise autonomes und vernetztes Fahren liegen auf der Hand: Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr, da die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls auf ein Minimum reduziert ist, mehr Komfort sowie körperliche und geistige Entlastung des Fahrers.

Doch stehen jeder Chance auch Risiken gegenüber, besonders im gemischten Verkehr von unterschiedlich automatisierten Fahrzeugen. Die Fragen nach Haftung bei einem Unfall, der Überwachung sowie die Entscheidung in Dilemma-Situationen gilt es dabei in Betracht zu ziehen und zu beantworten.

Letzteres beschäftigt sich mit der Frage, wie eine KI entscheiden soll, wenn es unausweichlich ist, dass bei einem Unfall Menschenleben zu beklagen wären. Sollen also die Verkehrsteilnehmer überleben und die Fahrzeuginsassen sterben oder umgekehrt?

Das MIT beschäftigt sich damit bereits seit geraumer Zeit und versucht auf ihrer eigens dafür geschaffenen Plattform herauszufinden, wie Menschen weltweit in Dilemma-Situationen entscheiden würden. Auch der VDA gibt Leitlinien heraus.

Autonomes und vernetztes Fahren
VDA Leitinitiative autonomes und vernetztes Fahren, Quelle

Die Hauptgedanken der Ethik-Kommission

  • Die ethische Vertretbarkeit bei automatisiertem und autonomem Fahren ist nur dann gegeben, wenn die Zahl der verursachten Unfälle geringer ist als bei menschlichen Fahrern.
  • Personenschäden sind bestmöglich zu vermeiden, wenn dafür ein Tier oder Sachschaden in Kauf genommen werden kann. Hier greift die Systemprogrammierung bereits im Hinblick auf die Dilemma-Situationen ein. Bedeutet also, dass das menschliche Leben oberste Priorität.
  • Die Kategorisierung von Alter, Geschlecht, physischer oder psychischer Verfassung sowie die Aufrechnung von Menschenleben darf bei nicht verhinderbaren Unfallsituationen seitens des Systems nicht stattfinden.
  • Um beispielsweise Haftungsfragen zweifelsfrei beantworten zu können, muss zu jederzeit erkennbar und geregelt sein, wer wann das Fahrzeug aktiv steuert – entweder der menschliche Fahrer oder das System.
  • Die Zulassung Künstlicher Intelligenz in Fahrzeugen für automatisiertes, autonomes und vernetztes Fahren ist nur dann gegeben, wenn es zu keiner Unterwanderung der 20 Regeln der Ethik-Kommission kommt.
  • Die Souveränität der Daten des Fahrers muss in jedem Fall gewährleistet sein.

Autonomes und vernetztes Fahren, ja – aber ethisch korrekt!

Dass die künstliche Intelligenz ausschließlich unsere Autos steuert, ist nicht mehr so fern. Doch gab die bisherige Entwicklung Anlass dafür, ethische Fragen zur Verwendung der Technologie für autonomes und vernetztes Fahren zu klären.

Mit den aufgestellten Regeln für autonomes und vernetztes Fahren stellte die Ethik-Kommission 20 Leitlinien auf, an denen sich Entwickler und Hersteller zu orientieren haben.

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